Taucht ein in die heutige Kunstwelt!

Bild : Prestel VerlagZeitgenössische Kunst – gehypt und oft so unverstanden wie keine andere Kunst. Damit der „normale“ Mensch auch ein wenig davon versteht, gibt es bereits viele Titel wie „Ist das Kunst oder kann das weg?“ (Christian Saehrendt, Steen T. Kittl, Dumont Verlag, 2016), die sich mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen.

Im kürzlich erschienen Buch „So geht Kunst“ stellt sich der britische Künstler Grayson Perry die Frage „Warum ist Kunst eigentlich Kunst?“. Er zieht dabei einen weiten Bogen über die Kunstgeschichte und seinem eignen Werdegang, zur Beantwortung der Frage.

Perry Grayson studierte zwar Kunst in Portsmouth, doch er fand seine Kunstform und sein Ausdrucksmedium erst durch einen Abendkurs in der Töpferei. 2003 gewann er mit seinen skurrilen Vasen den britischen Turner-Preis, der mit 20.000 Pfund dotiert war (vgl. Munzinger Online, 2017). Er selbst sieht sich eher als einen handwerklichen Kleinkünstler, der es (fast durch Zufall) in den Kunstbetrieb geschafft hat. Er kennt daher beide Seiten und stellte sich die gleichen Fragen, die wohl die meisten von uns im Kopf haben, wenn sie durch eine Moderne Galerie laufen.

Da vielen der Kunstbetrieb und die Mechanismen häufig absurd und wahllos erscheinen, versucht er mit seinem Buch ein bisschen Licht auf ein Mysterium zu bringen und Klarheit zu schaffen.

Quotes_Creator_20170531_114546

Dabei beginnt er den Qualitätsbegriff von Kunst zu analysieren und zeigt auf, wessen Meinung zu Kunst zählt. Er zeigt, wie Kunst sich in der Geschichte entwickelt hat und warum sich heute trotzdem nicht „alles“ im Kunstmuseum wiederfindet. Zum Schluss geht er auf seinen eigenen künstlerischen Werdegang ein und zeigt, wie er und sicherlich auch andere, „Künstler“ wurden.

Das Wunderbare daran, Künstler zu sein, ist, dass man die eigene Karriere in vielerlei Hinsicht selbst gestaltet und aussucht, was man tun möchte. Es könnte darum gehen, Geld zu verdienen. Es könnte darum gehen, einen politischen Standpunkt zu vertreten. (S. 101)

Sein Schreibstil ist locker und lässig, aber er schreibt recht verschachtelte Sätze, so dass ich leider einiges dreimal lesen musste, damit mir der Inhalt klar wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob es hier tatsächlich am Inhalt liegt (ich habe Kunst nicht studiert) oder an der Übersetzung, da Grayson wohl eine sehr eigene Ausdrucksweise hat, die zu übersetzen schwer ist.

Ich konnte viel geschichtliches Hintergrundwissen mitnehmen und verstehe nun die Mechanismen des Kunstbetriebes besser. Damit trifft der Inhalt des Buches ganz genau seinen Untertitel: „Die heutige Kunstwelt verstehen und vielleicht lieben lernen“. Doch zu mehr verhilft das Buch in meinen Augen nicht und ich fühle mich nicht besser auf den nächsten Museumsbesuch vorbereitet. Die Erläuterung wie man an zeitgenössische Kunst herantritt und ihren „Sinn“ versteht, kommt im Buch zu kurz und wird nur hier und da angerissen. Sein Versuch im Kapitel „Beating the Bounds“ scheitert durch Abschweifungen. Zu diesem Thema würde ich das Buch „So gesehen“ von Ossian Ward empfehlen, welches eine klare Gebrauchsanweisung für das Verständnis von zeitgenössischer Kunst bietet.

20170618_192216-01

Das Buch wird durch einige Illustrationen aufgelockert, die Grayson selbst gestaltet hat. Hier wurde auch in der Übersetzung sehr viel Mühe reingesteckt, denn alle Schriften in den Illustrationen sind übersetzt und von Ben Rennen neu gestaltet worden.

Bild : So geht Kunst v. Grayson Perry

Ich würde das Buch jenen empfehlen, die sich bereits ein bisschen mit Kunst auskennen und Interesse an der Kunstwelt (nicht nur zeitgenössischer Kunst) haben und sich fragen, wie es ein Kunstwerk in die Galerie, das Museum oder unter den Auktionshammer des Sotheby’s schafft.

Das Buch bekommt von mir 3 von 5 Sternen.

Bild : Prestel Verlag

Grayson, Perry : So geht Kunst: Die heutige Kunstwelt verstehen und vielleicht lieben lernen. Prestel, 2017. 144 Seiten ISBN: 978-3-7913-8336-1

 

 

Vielen Dank an dieser Stelle an den Prestel Verlag (Verlagsgruppe Random House GmbH) für das Rezensionsexemplar.

Weitere Quellen

Munzinger Online (Hrsg.): Eintrag „Perry, Grayson“ in Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000024770 (abgerufen am 18.6.2017)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s