Schlagwort: Tagebuch

Das Lesetagebuch – Nur für den Deutschunterricht?

Den Begriff „Lesetagebuch“ habe ich im Deutschunterricht kennengelernt, wie sicherlich einige Schüler. In der fünften Klasse klang er noch interessant, in der Achten kündigte er viele Seiten und schwere literarische Kost, wie „Der Graf von Monte Christo“an.

Nach der Schule hört man den Begriff nur noch selten, höchsten im Zusammenhang mit Lesekreisen oder von bibliophilen Menschen. Ist das Lesetagebuch wirklich ein Schulmonster, welches für die meisten Menschen zum Glück in den Klassenräumen verstaubt, wenn man die Schule verlässt?

Ich denke Lesetagebücher bekommen mit der Schulpflichtlektüre einen schlechten Stempel aufgedrückt, den sie nur schwer wieder los werden.  Ist es doch immer mit „Extra-Arbeit“ und „Hausaufgaben“ verbunden. Doch müssen Lesetagebücher keine „Extra-Arbeit“ sein und haben wenig mit „Pflicht-Lesetagebüchern“ gemein. Letztere sind eher Unterrichtshilfen und Arbeitsbücher, um einen Rahmen für den Schulunterricht zu gestalten und für den Lehrer die eigene Arbeit mit der Lektüre transparenter zu machen und damit die Benotung zu vereinfachen. Das Geschriebene in solchen Lesetagebüchern sollte einen Sinn ergeben und für den Unterricht von Wichtigkeit sein.

Doch ist dies nicht alles was ein Lesetagebuch kann und ausmacht. Zunächst steckt das Wort „Tagebuch“ darin und somit ist ein Lesetagebuch immer etwas Persönliches. Denn selbst wenn der Schreiber nur den Inhalt des Buches notiert, zeigt es die Schnelligkeit und das Vorankommen des Lesers sehr genau.

Neben dem einfachen Erfassen von Leseinhalten kann es eine Reflexionshilfe sein. Es hilft bei dem Versuch im Alltag und im Buch Gemeinsamkeiten zu entdecken (vgl. Schärf, 2012). Dabei ist jeder frei, zu wählen, was für ihn wichtig ist. So wird jedes Lesetagebuch ein individuelles Buch mit Erinnerungen an Lesetage und Erlebnisse.

Ein paar Ideen, wie ein Lesetagebuch gestaltet werden kann:

Leseerlebnisse und -inhalte festhalten

Eine sehr bodenständige Art des Lesetagebuchs. Es werden Lesezeiten, Seitenanzahl und eine kurze Zusammenfassung des Inhalts festgehalten. Vielleicht wird das Gelesene durch eigene Empfindungen oder eine kurze Interpretation ergänzt.

Austausch mit anderen Lesern

Gibt es einen Austausch mit anderen Lesern, so kann man ihre Gedanken mit in das eigene Tagebuch aufnehmen und somit den Inhalt stärker reflektieren.

Eigenes Leseverhalten festhalten und beeinflussen

Ein Lesetagebuch kann motivieren, wenn man seine Fortschritte beim Lesen erkennt. Mit einem Lesetagebuch fallen auch Verbesserungen an der eigenen Sprache eher auf. Fremdwörter können festgehalten und später nachgeschlagen werden.

Vergleich von Buchinhalt und Realität

Was hat die Realität mit dem Inhalt gemeinsam? Wie reagiert der Charakter auf ein Problem? Vielleicht kann man selbst von den Lösungen etwas für sich selbst mitnehmen.

Entwicklung von Kreativität und Fantasie

Das Ende eines Buches gefällt nicht? Dann kann man vielleicht selbst ein neues Ende schreiben oder sich ausmalen, was ein Charakter tut, wenn er nicht gerade auf Monsterjagd ist. Dabei muss dies nicht unbedingt geschrieben werden, auch Zeichnungen und Collagen sind eine schöne Idee, eine Geschichte noch lebendiger werden zu lassen.

Zitate-Sammlung

Ein Lesetagebuch dient auch als Gedächtnisstütze und ist ein schöner Ort um Zitate und Sprüche zu sammeln.

Foto : Annika E.

Wer mehr über „Das Lesen“ oder „Tagebücher“ erfahren möchte, dem seien diese beiden Bücher ans Herz gelegt:

Berthoud, Ella; Elderkin, Susan (u.a.): Die Romatherapie : 253 Bücher für ein besseres Leben. Berlin: Insel Verlag, 2013. ISBN 978 3 458 17589 6

Schärf, Christian: Schreiben Tag für Tag : Journal und Tagebuch. Mannheim, Zürich: Dudenverlag, 2012. ISBN 978 3 411 90324 5

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